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16.10.2018 17:16:45
31. August 2018

Im Alter in Würde leben können


Altersarmut ist meist weiblich, weil Frauen in Teilzeit oder gar nicht erwerbstätig waren. Gerade beim Tod ihres Partners kann sich die Einkommenssituation von Seniorinnen dramatisch verschlechtern.

von Günther Fritz
 
«Wir dürfen nicht vergessen, dass es zahlreiche Rentnerinnen und Rentner gibt, die ausser der AHV nichts haben. Jede achte Person im Rentenalter ist von Armut betroffen», kritisiert alt Bundesrätin und Pro-Senectute-Präsidentin Eveline Widmer-Schlumpf in einem am 29. August erschienenen «Blick»-Interview die Rentenreform in der Schweiz. Und wie sieht es mit der Altersarmut in Liechtenstein aus? Dieser Frage möchte die Landtagsfraktion der Vaterländischen Union auf den Grund gehen. So hat sie im Rahmen des «Bürgerpakets» am 5. Juni eine entsprechende Interpellation eingereicht, welche am kommenden Mittwoch im Landtag an die Regierung überwiesen wird.

Vom Mund absparen

Den Interpellanten sind vor allem Frauen im Pensionsalter bekannt, die jeden Franken nicht nur zweimal, sondern dreimal umdrehen müssen, sich nicht einmal bescheidene Ferien leisten können und sich das Geld für Weihnachtsgeschenke an Enkelkinder oft «vom Mund absparen» müssen. Dies liegt vor allem daran, dass viele Rentnerinnen nur eine geringe AHV beziehen können und über gar keine zweite Säule verfügen. Gerade beim Tod eines Partners kann sich bei den Seniorinnen und Senioren die Einkommenssituation dramatisch verschlechtern. Es fällt eine AHV weg und auch die Pensionskasse, die in dieser Rentnergeneration oft nur vom Mann herrührt, fällt wesentlich geringer aus.

Ergänzungsleistungen im Fokus

Als wichtiger Indikator für Altersarmut gilt der Umfang von Ergänzungsleistungen zur AHV. Die Anzahl der Bezüger von Ergänzungsleistungen zur AHV hat sich von 384 Bezügern im Jahr 2012 auf 463 im Jahr 2017, das heisst um gut 20 Prozent, erhöht. Die wirtschaftliche Einzelfallhilfe vonseiten des Amtes für Soziale Dienste ist von 3,49 Mio. Franken im Jahr 2008 auf 9,57 Mio. Franken im Jahr 2017 angestiegen. Das bedeutet eine Steigerung in den letzten zehn Jahren von 174 Prozent. Hier stellt sich die Frage, ob dieser starke Anstieg insbesondere auch die ältere Generation betrifft.

Insbesondere wollen die Interpellanten auch in Erfahrung bringen, inwieweit die Regierung über Zahlen verfügt, welche Anhaltspunkte liefern, in welchem Ausmass liechtensteinische Stiftungen und karitative Organisationen in relativer Armut lebende Seniorinnen und Senioren unterstützen. Weiter wollen die Interpellanten beispielsweise wissen, wie die Regierung das Ausmass verdeckter Armut einschätzt. Den Interpellanten ist es ein Anliegen, die relevanten Zahlen auf den Tisch zu bringen, die das Ausmass relativer Altersarmut in Liechtenstein und die dazu führenden Gründe konkret erfassbar machen, damit dieses Thema einer öffentlichen Diskussion zugeführt werden kann. Erst dann ist es möglich, faktenbasiert Lösungsansätze zu entwickeln.



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Die Vaterländische Union (VU) ist eine Partei im Fürstentum Liechtenstein. Die Wurzeln der VU gehen auf die 1918 gegründete, christlich-sozial ausgerichtete Liechtensteiner Volkspartei zurück. Die VU war der Motor für grundlegende politische und soziale Reformen in Liechtenstein im frühen 20. Jahrhundert und verstand sich als Arbeiterpartei, die sich für mehr demokratische Volksrechte, soziale Sicherheit, Solidarität in der Gesellschaft und auch eine starke, differenzierte Wirtschaft einsetzte und sich immer noch für diese Werte einsetzt. Die Mitgliedschaft kann von jedem Einwohner/jeder Einwohnerin Liechtensteins, der/die das 16.Altersjahr erfüllt hat, durch Erklärung erworben werden.
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