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17.11.2017 18:14:00
23. September 2015

Ein grosses Plus für Mensch und Natur!


Ein Standpunkt von Karin Rüdisser-Quaderer, VU- Landtagsabgeordnete zur Rheinaufweitung. Die schrittweise Sanierung der Dämme und die gleichzeitige Aufweitung des Rheins sehe ich als Generationenwerk - aber auch als Generationenchance, sagt die VU- Landtagsabgeordnete.

Der Rhein war früher ein Wildfluss. Die Natur konnte sich frei entfalten, die Bevölkerung musste aber mit regelmässigen Überschwemmungen leben. Deshalb haben sich unsere Vorfahren Ende des vorletzten und anfangs des letzten Jahrhunderts zur Wehr gesetzt und Dämme gebaut. Aus heutiger Sicht sind sie dabei zu forsch vorgegangen. Der Alpenrhein ist heute ein begradigter Kanal, für Kinder ist das Spiel am Fluss lebensgefährlich, der Natur bietet der Rhein kaum mehr Lebensräume. So sind viele Tier- und Pflanzenarten ausgestorben, die Bestände der verbliebenen Arten sind teils arg reduziert. Die Fischfauna ist im Alpenrhein verarmt, die Anzahl Fische ist rund 20mal niedriger als dies in einem naturnahen Fluss der Fall ist.

 

Die Aufweitung des Alpenrheins an einigen Stellen ist eine grossartige Antwort auf diese Situation. Die Idee ist nicht neu, es gab dazu bereits in den 80-iger Jahren erste Studien. Im Entwicklungskonzept Alpenrhein sind 19 Aufweitungen vorgesehen, vier davon betreffen auch Liechtenstein. Unsere Regierung hat dieses Entwicklungskonzept bereits vor 10 Jahren unterzeichnet, ebenso die Landesregierungen der Schweiz und Österreichs sowie die Kantons- bzw. Bundesland-Regierungen von Graubünden, St. Gallen und Vorarlberg.

 

Nun ist es Zeit zu handeln!

 

Denn wir wissen auch, dass die Sicherheit der bestehenden Dämme längerfristig nicht gewährleistet ist. Sie müssen saniert werden. Die Regierung rechnet mit Kosten von rund 50 Mio. Franken in einem Zeitraum von 20 Jahren. Die schrittweise Sanierung der Dämme und die gleichzeitige Aufweitung des Rheins sehe ich deshalb als Generationenwerk – aber auch als Generationenchance! Denn nirgendwo in unserem Tal ist es möglich, in dieser Weise die Landschaftsqualität aufzuwerten und Erholungsräume für die Menschen zu schaffen wie am Rhein.

 

Es bietet sich also an, das eine – die Dammsanierungen – zu tun und das andere – die Aufweitungen – nicht zu lassen! Wenn wir die alten, 130-jährigen Dämme verbessern und teilweise ersetzen, müssen wir die Rheinaufweitungen unbedingt in dieses Werk einbinden. Heute hat man andere Möglichkeiten und mehr Fachwissen, um Dämme sicher zu bauen. Wenn wir also an vier Stellen, die im Entwicklungskonzept Alpenrhein ausgewiesen werden, die alten Dämme durch neue ersetzen, die weiter hinten stehen und nach heutigem Wissensstand errichtet werden, dann haben wir sogar eine viel bessere Sicherheit als heute.

Gleichzeitig schaffen wir damit Erholungsgebiete für die Bevölkerung. Wir werden in den Verästelungen des Rheins wieder baden können und Kinder können in Sicherheit spielen. Die Aufweitungen werden die Landschaft und den Erholungswert enorm aufwerten.

Die Regierung redet bezüglich der Attraktivität von aufgeweiteten Flusslandschaften von Standortmarketing und macht darauf aufmerksam, dass intakte Natur und attraktive Erholungsräume bei der Entscheidungsfindung, ob man als begehrte Kaderperson an einen neuen Ort zieht oder nicht, ein entscheidender Faktor sein können.

Dies alles zeigt: Von den Aufweitungen profitieren wir alle!

 

Wir werden für die Landwirtschaft eine Lösung finden müssen, auch wenn man in Liechtenstein in anderen Fällen nicht immer Lösungen und Ersatz gefunden hat, wenn neue Bau- und Infrastrukturprojekte in der Landwirtschaftszone umgesetzt wurden. Oft war der Profit wichtiger als das Landwirtschaftsland. Hier geht es aber um ein Projekt für die Menschen und für die Natur!

 

Unsere Nachbarn, die vor 10 Jahren mit unserer Regierung zusammen das Entwicklungskonzept Alpenrhein unterschrieben haben, sind uns weit voraus. In Chur gab es in den 90iger Jahren bereits eine Aufweitung, eine weitere ist in Maienfeld/Bad Ragaz in Planung. Und unterhalb der Illmündung wird man mit dem Projekt RHESI (Rhein, Erholung, Sicherheit) in den nächsten 20 Jahren viel Gutes für die Sicherheit, die Erholung und die Natur tun. Dafür werden die Schweiz und Österreich über eine halbe Milliarde Euro in die Hand nehmen.

Nun ist es Zeit, dass auch Liechtenstein einen Beitrag leistet. Das heisst nicht, dass nächstes Jahr die Bagger auffahren werden, aber wir sollten ein klares Bekenntnis abgeben, dass die Aufweitungen für uns ein verbindliches Ziel und eine Richtung darstellen, in die wir gehen wollen. Dieses Generationenprojekt soll ab sofort eine Grösse sein, die es in der zukünftigen Entwicklung des Landes zu berücksichtigen gilt und die in die strategische Planung einbezogen wird.

 

Und selbstverständlich sind die Aufweitungen bei den Dammsanierungen zu berücksichtigen! Es wäre ein Schildbürgerstreich gegen die Bevölkerung und gegen die Natur, wenn wir die Rheindämme auf ihrer ganzen Länge an ihrem bestehenden Ort sanieren würden, ohne die Aufweitungen einzubeziehen. Auch unsere Nachbarn würden das nicht verstehen.

 

Es ist also Zeit umzudenken, Sicherheit, Erholungsräume und mehr Natur miteinander in Einklang zu bringen. Und es ist Zeit, an einem der vier Orte anzufangen und eine Aufweitung zu realisieren! Danach werden wir feststellen, dass eine grosse Akzeptanz herrscht und wir werden uns fragen, warum wir das nicht schon früher gemacht haben.

 In diesem Sinne möchte ich unsere Regierung ermutigen, die Vision beherzt anzupacken und die ersten konkreten Schritte zu setzen. Die Natur und unsere Nachkommen werden es uns danken!


Karin Rüdisser-Quaderer, VU Landtagsabgeordnete


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Die Vaterländische Union (VU) ist eine Partei im Fürstentum Liechtenstein. Die Wurzeln der VU gehen auf die 1918 gegründete, christlich-sozial ausgerichtete Liechtensteiner Volkspartei zurück. Die VU war der Motor für grundlegende politische und soziale Reformen in Liechtenstein im frühen 20. Jahrhundert und verstand sich als Arbeiterpartei, die sich für mehr demokratische Volksrechte, soziale Sicherheit, Solidarität in der Gesellschaft und auch eine starke, differenzierte Wirtschaft einsetzte und sich immer noch für diese Werte einsetzt. Die Mitgliedschaft kann von jedem Einwohner/jeder Einwohnerin Liechtensteins, der/die das 16.Altersjahr erfüllt hat, durch Erklärung erworben werden.
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