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18.08.2017 09:00:41
30. September 2015

Stellungnahme der FU zum Postulat der FL betreffend Geschlechterquote


Die Frauenunion begrüsst grundsätzlich das von der Freien Liste eingereichte Postulat zur Einführung einer Geschlechterquote. Leider hat sich in den letzten Jahren – trotz Zunahme von qualifizierten und gut ausgebildeten Frauen – in den Führungsebenen nicht viel verändert. Deshalb ist hier ein Umdenken notwendig. Um das Ziel, mehr Frauen in Führungspositionen zu bekommen, zu erreichen, sind weitere Schritte notwendig.

Wie im aktuellen Postulat vorgeschlagen, soll die Landesverwaltung oftmals als gutes Beispiel vorangehen. Die Postulanten schlagen deshalb als Zielsetzung vor, den Frauenanteil in Führungspositionen und in Kommissionen, Stiftungs- und Verwaltungsräten bei staatlichen und staatsnahen Betrieben in den nächsten fünf Jahren zu verdoppeln. Wie die konkrete Umsetzung allerdings aussehen soll, ist fraglich. Denn eine Veränderung des Frauenanteils ist nur möglich, wenn entsprechende Führungspositionen frei werden. Konkret heisst dies also, dass die Besetzung einer solchen Stelle nur möglich ist, wenn der vorherige Stelleninhaber seinen Job wechselt und sich eine Frau auf die frei zu werdende Stelle bewirbt. Ähnlich sieht es auch bei den staatlichen und staatsnahen Betrieben aus, denn fast alle Kommissionsmitglieder, Stiftungs- und Verwaltungsräte sind für eine gewisse Mandatsdauer ernannt worden. Eine Erhöhung des Frauenanteils ist also auch hier nur möglich, wenn eine bestimmte Mandatsdauer abläuft und eine Frau für diese Aufgabe zur Verfügung steht.
Nicht vergessen werden sollte dabei jedoch, dass die meisten Frauen in der Privatwirtschaft arbeiten. Deshalb ist aus unserer Sicht auch die Wirtschaft gefordert, etwas für die Frauen zu unternehmen. So erwähnen die Postulanten auch einige europäische Länder, in welchen bereits eine Quotenregelung eingeführt wurde. Interessant dabei ist, dass die Quotenregelung meist für börsenkotierte Unternehmen und nicht nur für den Staatsbetrieb gilt. Es wäre deshalb interessant, die Erfahrungen und Entwicklungen in diesen Ländern zu kennen. Entsprechend könnte dann auch die Wirtschaft verpflichtet werden, ihren Anteil zur Frauenförderung beizutragen.
Allerdings stellt sich die Frage, ob die Erhöhung des Frauenanteils nur durch eine Quote geschehen kann oder nicht auch anderen Massnahmen zur Erreichung dieses Ziel möglich sind. So wäre beispielsweise denkbar, dass die Landesverwaltung und Unternehmen verpflichtet werden, auf Führungsebene die Möglichkeit von Teilzeitarbeit, Job Sharing oder Home Office anzubieten. Denn allzu oft lassen sich heutzutage Karriere und Familie (noch) nicht vereinen.
Da ich selbst als Abteilungsleiterin bei einem Amt arbeite, möchte ich zudem darauf hinweisen, dass es in der Landesverwaltung bereits jetzt Kurse zur Frauenförderung gibt. Diese werden im Rahmen des internen Ausbildungsprogrammes angeboten. Aus eigener Erfahrung kann ich diese Kurse jeder Frau empfehlen.
Nicht zuletzt möchte ich deshalb auch die Frauen selbst ermutigen, sich den Anforderungen des Lebens zu stellen und die Chance auf eine Führungsposition zu nutzen und sich aktiv zu bewerben! Denn ohne Frauen, die in Führungspositionen wollen, nützt auch eine Geschlechterquote nichts.
Martina Brändle-Nipp
Präsidentin der Frauenunion und Mitglied des VU-Präsidiums


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