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21.08.2018 21:32:07
20. Mai 2018

Und was sagt dann das Volk zur Rechnung?


Nach dem Nein des Stimmvolkes zum 83-Millionen-Kredit für einen Neubau des Landesspitals im Oktober 2011 steht Liechtenstein erneut vor einem Scherbenhaufen in der Spitalfrage.

von Günther Fritz, Parteipräsident

 

Nach dem Weggang der umsatzstärksten Belegärzte in die eigene Privatklinik in Bendern per Ende 2016 schwinden dem Landesspital die Fallzahlen. Und der Medicnova fehlt ein OKP-Vertrag für alle medizinischen Leistungsangebote. Der ruinöse Wettbewerb zeigt schmerzhaft, dass das Land für zwei Spitäler zu klein ist.

Das Gebot der Stunde wäre zweifellos ein Zusammengehen der beiden Kliniken. Die PwC-Studie favorisiert dabei die Variante B, das heisst den Umzug des Landesspitals nach Bendern und die Integration eines Belegarztsystems durch die Medicnova. Gesellschaftsminister Pedrazzini und das Landesspital bevorzugen inzwischen die Variante A, nämlich die Übernahme bzw. den Kauf der Medicnova durch das Landesspital. Beide Varianten sind in Bezug auf ihre Realisierbarkeit jedoch noch kaum beurteilbar. Denn mit einer gemeinsamen Infrastrukturlösung in Bendern sind vor dem Hintergrund der konfliktreichen Geschichte des Auseinandergehens die Probleme noch lange nicht gelöst.
Die Medicnova-Belegärzte wollen sich nach dem Weggang aus Vaduz ihre gewonnene Autonomie nicht nehmen lassen. Das Landesspital mit seinem Chefarztsystem muss hingegen darauf pochen, den Spitalbetrieb klar zu führen. Denn zur Einhaltung der Qualitätsstandards und Wahrung der Patientensicherheit müssen sich alle Ärzte an die gleichen Regeln halten. Hinzu kommt die Frage, wer künftig welchen Fachbereich exklusiv abdecken darf? Wer verzichtet und wer muss gehen? Können diese unterschiedlichen Kulturen in ein konstruktives Miteinander überführt werden?

 

Der finanzielle Leidensdruck bei der Medicnova scheint gross zu sein. Wird die Privatklinik deshalb zum Schnäppchenpreis zu haben sein? Was dürfte die Spitalimmobilie in Bendern den Steuerzahler überhaupt kosten, damit sich die Politik nicht der Kritik aussetzt, dass der Staat ein Unternehmen rettet, das sich aufgrund eines Grundlagenirrtums verspekuliert hat? Angesichts der Fülle ungeklärter Fragen überwiegt der Eindruck, dass Gesellschaftsminister Pedrazzini die Rechnung bisher ohne Wirt, nämlich die Verantwortlichen der Medicnova, gemacht hat. Und auch ohne Volk, das die Rechnung bezahlen muss. Um nach der nächsten Volksabstimmung über die Spitalfrage nicht wieder vor einem Scherbenhaufen zu stehen, braucht es mehr als eine Infrastrukurlösung, Herr Pedrazzini!



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