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26.04.2017 19:30:21
09. Juli 2016

Vaterland-Interview mit Dominique Gantenbein


Vaterland-Interview mit Dominique Gantenbein

«Diese Offenheit schätze ich»

VU-Regierungsratskandidatin Dominique Gantenbein über ihre ersten Erfahrungen in ihrer neuen Rolle, die Frage «Wem ghörscht?», Frauen in der Politik und die Herausforderungen des demografischen Wandels.

Frau Gantenbein, hat sich etwas verändert, seit bekannt ist, dass Sie für die VU als Regierungsrätin bei den nächsten Wahlen kandidieren?

Dominique Gantenbein: Verändert haben sich vor allem die Themen- und Fragestellungen, die auf mich zukommen. Ebenfalls sind die Begegnungen mit Menschen, die ich bis anhin nicht kannte, von einer Offenheit und Spontanität geprägt, welche ich sehr schätze.

«Mein Name sei Gantenbein» heisst ein bekannter Roman von Max Frisch. Darin greift er die Frage nach der Identität eines Menschen und seiner sozialen Rolle auf. Der Name Gantenbein ist ja nicht gerade «urliechtensteinisch». Deshalb die direkte Frage: Wer sind Sie?

Gantenbein: Die Frage ist originell, aber ausser dem gleichen Namen habe ich mit der Romanfigur von Max Frisch nichts gemeinsam. Ich bin Liechtenstei- nerin – das ist für die Nomination als Regierungsrätin ja Voraussetzung. Aufgewachsen bin ich im «Kirchapörtle» in Mauren und habe als geborene Matt durch die Heirat meiner Mutter den Namen Gantenbein erhalten. Bei der urliechtensteinischen Frage «Wem ghörscht?» erwähne ich immer meine Grosseltern. Denn meinen Neni Paul Matt haben früher viele gekannt, weil sie die Fahrprüfung bei ihm gemacht und hoffentlich auch bestanden haben. (lacht)

Politisch sind Sie ein unbeschriebenes Blatt. Welche Erfahrungen bringen Sie für das Amt einer Regierungsrätin mit?

Gantenbein: In meinem Lebensrucksack bringe ich eine langjährige Berufspraxis in den Bereichen Bildung, Heilpädagogik und Pflege mit, welche meine Haltung und meine Wertvorstellungen geprägt hat. Die bisherigen beruflichen Tätigkeiten und Erfahrungen in der organisatorischen, wirtschaftlichen und personellen Führung sowie im Projektmanagement sind für mich grundlegend, um den Aufgaben und Verantwortungen als Regierungsrätin professionell begegnen zu können. Ich denke, dass wie in allen Führungsfunktionen auch in der Regierungsarbeit eine gute Kommunikation, die Offenheit für konstruktive Kritik, Kompromissbereitschaft und eine lösungsorientierte Herangehensweise an die teilweise sehr komplexen Themen wichtige Erfolgsfaktoren sind. Es liegt auf der Hand, dass man als Mitglied der Regierung auch schwierige Entscheidungen mitzutragen hat und belastbar sein muss. Darüber war ich mir im Klaren, als ich zugesagt habe, als Regierungsratskandidatin für «üsers Dahom» Verantwortung zu übernehmen.

Frauen für politische Ämter zu motivieren, scheint in Liechtenstein immer noch schwierig zu sein. Stellen sich Frauen andere Fragen, bevor sie sich einer Wahl stellen?

Gantenbein: Der Schritt in die Politik ist für jeden – ganz unabhängig vom Geschlecht – eine Herausforderung. Da gibt es unterschiedliche Faktoren, die hineinspielen und die persönliche Entscheidung für ein politisches Engagement beeinflussen. Ich finde, dass man in der ganzen Genderdiskussion vorsichtig mit Pauschalisierungen umgehen muss. Denn gerade solche Stereotypen hemmen unter Umständen die Bereitschaft, sich einer Wahl zu stellen. Für die nächsten Legislaturperioden wünsche ich mir deshalb ein faires Miteinander, das eine gute Durchmischung der politischen Kräfte zulässt. Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam mit den unterschiedlichen, aber gleich wertvollen und sich ergänzenden Erfahrungshintergründen von Frau und Mann die Weichen für die Zukunft unseres Landes am besten gestalten können.

Als LAK-Geschäftsleitungsmitglied befassen Sie sich beruflich mit der Alterspflege. Wo sehen Sie hier die grössten Herausforderungen für die Zukunft?

Gantenbein: Die Themenstellungen, die der demografische Wandel mit sich bringt, sind hochkomplex und werden uns in den nächsten Jahren intensiv fordern. Auch wenn die Zukunftsforschung von verschiedenen Szenarien ausgeht, sind die Veränderungen in der Alterspyramide keine vorübergehende Erscheinung, die sich von selbst regulieren wird. Um den mit dem demografischen Wandel verbundenen Fragestellungen gezielt zu begegnen, braucht es meiner Meinung nach einerseits intensive gesellschafts- und sozialpolitische Diskussionen, andererseits aber auch zeitnahe konkrete Handlungsansätze. Für die Zukunft braucht es aus meiner Sicht insbesondere Flexibilität und Anpassungsfähigkeit innerhalb des Versorgungsnetzes, einen zielgerichteten Dialog unter den Leistungserbringern und effiziente Rahmenbedingungen für medizinisches und pflegerisches Personal. Ein wichtiges Anliegen ist mir zudem, dass der Freiwilligkeit und dem Ehrenamt die ihnen gebührende gesellschaftspolitische Beachtung zukommt. Es wird künftig auch darum gehen, den in den Gemeinden zum Teil schon sehr differenziert erhobenen Bedürfnissen der Anspruchsgruppen mit allfällig weiteren neuen betreuten Wohnformen zu begegnen. Als grundlegende Voraussetzung für sämtliche Massnahmen gilt es, generationennachhaltige Finanzierungsmodelle für die Alterspflege zu schaffen. Die Bewältigung dieser gesellschaftlich wichtigen Aufgaben wird meiner Meinung nach nur durch eine vernetzte Zusammenarbeit und im Team zu erfüllen sein.

Wenn man Sie nicht kennt und Sie treffen möchte: Wo trifft man Sie und was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?

Gantenbein: Singen ist meine grosse Leidenschaft, bei klassischer Musik gehe ich meinen Gedanken nach und ein gutes Rockkonzert ist für mich wie ein Kurzurlaub. Privater Treffpunkt der Familie und Freunde ist bei uns zu Hause, wo ich gerne für alle koche und wir die gemeinsame Zeit oft in grosser Runde geniessen. Immer treffen kann man mich bei den Spielen des FC Vaduz.

Das Vaterland-Interview führte Patrik Schädler / Bild: Daniel Schwendener


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Die Vaterländische Union (VU) ist eine Partei im Fürstentum Liechtenstein. Die Wurzeln der VU gehen auf die 1918 gegründete, christlich-sozial ausgerichtete Liechtensteiner Volkspartei zurück. Die VU war der Motor für grundlegende politische und soziale Reformen in Liechtenstein im frühen 20. Jahrhundert und verstand sich als Arbeiterpartei, die sich für mehr demokratische Volksrechte, soziale Sicherheit, Solidarität in der Gesellschaft und auch eine starke, differenzierte Wirtschaft einsetzte und sich immer noch für diese Werte einsetzt. Die Mitgliedschaft kann von jedem Einwohner/jeder Einwohnerin Liechtensteins, der/die das 16.Altersjahr erfüllt hat, durch Erklärung erworben werden.
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