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20.07.2018 01:26:42
05. Mai 2018

Empowerment oder digitales Fliessband?


Frauen in der digitalen Arbeitswelt von morgen. Es ist an der Zeit, dass sie mitgestalten und die Chancen für eine gendergerechte digitale Arbeitswelt ergreifen.

Von Gabriela Hilti-Saleem
Frauenunion

Fast täglich werden wir mit dem Thema Digitalisierung konfrontiert. Oft sehen wir Berichterstattungen von Podiumsdiskussionen zu diesem Thema in den Medien. Doch meistens werden diese Diskussionen nur von Männern geführt. Auf den Fotos ist ab und zu noch eine Moderatorin zu sehen. Man könnte nun taktlos sagen, die Diskussionsleiterin ist nur hübsches Beiwerk. Aber genau sie verkörpert oft Skills, die in der digitalen Arbeitswelt immer mehr gefragt sind: kommunikative und soziale Kompetenzen, Koordinationstalent und Teamfähigkeit.

Mehr Zeitsouveränität

Die Digitalisierung verändert unsere Berufswelt. Die neuen Möglichkeiten der Kommunikation und die Vernetzung von Know-how werden zum Ausgangspunkt neuer Arbeitsformen und flexibler Organisationskonzepte. Die Entkoppelung von Arbeitszeit und Arbeitsort führt zu mehr Zeitsouveränität und zusätzlichen Gestaltungsmöglichkeiten. Die Möglichkeit, zu flexiblen Zeiten von zu Hause aus zu arbeiten, wird von vielen Familien als Verbesserung wahrgenommen, auch wenn Home-Office tatsächlich noch oft als «Erholungstage» abgetan werden.

Neue Arbeitsprozesse

Die Digitalisierung ist nicht nur eine technische Entwicklung. Sie schafft auch neue Arbeitsprozesse - und hoffentlich nicht nur ein digitales Fliessband. Besonders die Führungskultur unterliegt Veränderungen. Eine Führungskraft muss anders agieren, wenn die Mitarbeitenden nicht mehr im Nebenzimmer sitzen. Die Arbeit wird sich zunehmend in Welten wie Communities abspielen, die oft jenseits von Hierarchien funktionieren. Anstelle von hierarchischer Managementkultur tritt ein partizipativer und teamorientierter Führungsstil. Mit der fortschreitenden Mobilität und Flexibilität werden Modelle wie «Top-Sharing» oder «Führen in Teilzeit» immer wichtiger. Ein solcher Umbruch ist eine Chance für eine gendergerechte Gestaltung der Arbeitswelt. Doch ist dies kein Selbstläufer.
Die Gefahr ist gross, dass sowohl Frauen wie auch Männer am digitalen Förderband abgestellt werden. Die Förderung von Frauen in der digitalen Arbeitswelt muss offensiv in den Fokus rücken. Die positiven Effekte der Digitalisierung müssen proaktiv genutzt werden, um die Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern zu verbessern.

Rollenbilder müssen sich ändern

Doch wie sieht es heute meist in der Realität aus? Obwohl der wirtschaftliche Nutzen von mehr «Gender Diversity» längst erwiesen ist, sind Frauen noch immer unterrepräsentiert in technischen Berufen und in den Führungsetagen. Der grundlegende Qualifikationswandel, der von der Digitalisierung ausgeht, scheint uns noch nicht erreicht zu haben. Besonders schleichend gehen solche Veränderungen vor sich, wo traditionelle Rollenmodelle vorherrschen. In einer Gespächsrunde, organisiert vom Amt für soziale Dienste letzten März, kam Linda Märk-Rohrer, Forschungsbeauftragte am Liechtenstein Institut, zum Schluss, dass sich zuerst die Rollenbilder ändern müssen, bevor sich in der Politik und auch in der Arbeitswelt Gendergerechtigkeit einstellen kann.
Aber das Handtuch zu werfen, ist keine Option. Die Digitalisierung ist gestaltbar und gestaltungsbedürftig. Es ist an der Zeit, dass Frauen mitgestalten und die Chancen für eine gendergerechte digitale Arbeitswelt ergreifen. Dies ist aber nicht nur Aufgabe der Frauen, auch Unternehmen und der Staat stehen in der Verantwortung, Voraussetzungen und Angebote zu schaffen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.



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Die Vaterländische Union (VU) ist eine Partei im Fürstentum Liechtenstein. Die Wurzeln der VU gehen auf die 1918 gegründete, christlich-sozial ausgerichtete Liechtensteiner Volkspartei zurück. Die VU war der Motor für grundlegende politische und soziale Reformen in Liechtenstein im frühen 20. Jahrhundert und verstand sich als Arbeiterpartei, die sich für mehr demokratische Volksrechte, soziale Sicherheit, Solidarität in der Gesellschaft und auch eine starke, differenzierte Wirtschaft einsetzte und sich immer noch für diese Werte einsetzt. Die Mitgliedschaft kann von jedem Einwohner/jeder Einwohnerin Liechtensteins, der/die das 16.Altersjahr erfüllt hat, durch Erklärung erworben werden.
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