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25.09.2018 01:58:33
14. Juli 2018

Noch lange nicht dort, wo wir hin sollten


Ein Standpunkt des VU-Abgeordneten Christoph Wenaweser zur Gesundheitspolitik in Liechtenstein. Erschienen im Liechtensteiner Vaterland vom 14. Juli 2018.

Diese Woche bestätigten die Krankenkassen, was der Landtag anlässlich der Festlegung des Staatsbeitrages an die OKP im Juni bereits auf der Tagesordnung hatte. Die Regierung erklärte das relativ geringe Kostenwachstum 2017 schon vor mehr als einem Monat mit der neuen Tarifgestaltung und mit der erhöhten Kostenbeteiligung der Versicherten.

Mit dem Tarmed hofft man die Preise für ärztliche Dienstleistungen im Griff zu haben, doch schieben sich Regierung und Ärztekammer aus Anlass der in St. Gallen jüngst begonnenen Diskussion um einen künftig höheren Taxpunktwert bereits wieder in Position für neuerliche Verhandlungen hierzulande.

Auch der Kampf gegen die Mengen ist noch lange nicht gewonnen! Die Leistungserbringer im Gesundheitswesen hielten ihre Umsätze im Rahmen der OKP letztes Jahr insgesamt stabil. Ein Schuft der dabei denkt, zumindest einige könnten sich bei Tarmed-bedingt sinkenden Preisen über die Fallzahlen schadlos gehalten haben. Mit den durch die KVG-Revision einfacher gewordenen Wirtschaftlichkeitsverfahren müsste in augenscheinlichen Einzelfällen konsequent geprüft werden, ob dem tatsächlich so ist.

Auch wenn die Prämien temporär verharren, der nächste Schub nach oben kommt bestimmt. Es ist verfrüht, eine erfolgreiche KVG-Revision zu feiern. Eingedenk der gesamten Baustellen im Gesundheitswesen müssen wir uns viel eher eingestehen, dass wir insgesamt noch lange nicht dort sind, wo wir hin sollten. Nebst vielen anderen Themen wie zum Beispiel unsere künftige Spitalstrategie wäre die Stärkung der klassischen Hausarztmedizin nach meinem Dafürhalten ein wesentlicher Pfeiler der Weiterentwicklung unseres Gesundheitswesens.

Die Hausarztmedizin könnte ein zentrales Element einer soliden medizinischen Grundversorgung und auch ein probates Mittel zur Eindämmung des allein schon aus demografischen Gründen unaufhaltbaren Kostenwachstums sein. Die Regierung selbst hat die Hausarztmedizin während der KVG-Revision als den kostengünstigsten Behandlungspfad bezeichnet, auf dem 70% aller Fälle abgewickelt werden könnten.

Trotz dieser nicht neuen Erkenntnis droht dem „kostengünstigen Hausarztsystem nahe bei den Menschen in unseren Dörfern“, wie einige Hausärzte vor wenigen Wochen per Leserbrief mitteilten, langsam aber sicher das Aus. In der Schweiz wurde der Nutzen der Hausarztmedizin längst erkannt. Deren Schutz geniesst sogar Verfassungsrang. Dort herrsche, so die leserbriefschreibenden Hausärzte, eine klar deklarierte Willkommenskultur mit Planungssicherheit.

Es ist in Liechtenstein höchste Zeit für ein deutliches politisches Bekenntnis zu den klassischen Hausärzten. Ich unterstütze jede zielgerichtete Massnahme der Regierung hierzu, sogar bis hin zur seriösen Prüfung der Wiedereinführung eines damals viel zu früh abgewürgten Hausarztmodells.


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Die Vaterländische Union (VU) ist eine Partei im Fürstentum Liechtenstein. Die Wurzeln der VU gehen auf die 1918 gegründete, christlich-sozial ausgerichtete Liechtensteiner Volkspartei zurück. Die VU war der Motor für grundlegende politische und soziale Reformen in Liechtenstein im frühen 20. Jahrhundert und verstand sich als Arbeiterpartei, die sich für mehr demokratische Volksrechte, soziale Sicherheit, Solidarität in der Gesellschaft und auch eine starke, differenzierte Wirtschaft einsetzte und sich immer noch für diese Werte einsetzt. Die Mitgliedschaft kann von jedem Einwohner/jeder Einwohnerin Liechtensteins, der/die das 16.Altersjahr erfüllt hat, durch Erklärung erworben werden.
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