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22.10.2018 18:29:54
30. August 2018

«Die Eschner näher zusammenbringen»


Mit Viktor Meier schickt die VU einen ihrer amtierenden Gemeinderäte für das Amt des Vorstehers ins Rennen. Er tritt an, um die Stimmung in Eschen-Nendeln zu verbessern und Projekte dafür aufzugleisen.

Interview: Patrik Schädler

Am Montag liess die VU-Ortsgruppe Eschen-Nendeln die Katze aus dem Sack: Sie sind der Vorsteher-Kandidat. Wie fühlt man sich mit dieser Ehre bzw. Bürde? 

 

Vikor Meier: Für mich ist das mehr eine Ehre als eine Bürde. Dass ich angefragt wurde, hat mich überrascht. Aber als Eschner Bürger ist es mir ein grosses Anliegen, die Gemeinde weiter nach vorne zu bringen, angefangene Projekte zu vollenden und auch das zwischenmenschliche Klima in der Gemeinde wieder zum Besseren zu verändern. Das Ganze passt in meinen Lebenslauf: Dadurch, dass ich mich beruflich ohnehin neu orientieren wollte, habe ich von Herzen Ja gesagt zu diesem einmaligen Angebot. Ich kann mir jetzt Zeit für den Wahlkampf nehmen. Es ist genau der richtige Zeitpunkt für diese Herausforderung- und ich würde mich freuen, wenn mir die Bevölkerung von Eschen und Nendeln das Vertrauen ausspricht. 

 

Für alle, die Sie nicht kennen: Wer ist Viktor Meier? 

 

Ich bin 1961 im Bürgerheim Eschen geboren - dort, wo jetzt das LAK Haus St. Martin steht. Ich bin tief in der Gemeinde verwurzelt. Als Pfadfinder pflege ich eine enge Beziehung zur Natur und schätze unsere Naherholungsgebiete. Nach der Realschule habe ich die Schule für Verkehr und Verwaltung in St. Gallen absolviert. Ich arbeitete in der Schweiz und in Liechtenstein bei verschiedenen Postbetrieben. Ein Jahr arbeitete ich in der französischen Schweiz, Umgebung Genf. Mit 23 Jahren wurde ich Verwalter am Liechtensteinischen Gymnasium. Während meiner Engagements habe ich die Erfahrung gemacht, dass in der Jugend viel Potenzial steckt. Ich arbeitete mehrere Jahre in der Landesverwaltung beim Schulamt im Bereich Lehreradministration und Rechnungswesen. Danach wechselte ich zur Liechtensteinischen Alters- und Krankenhilfe (LAK). Ich bin verheiratet und stolzer Vater dreier Kinder, die derzeit dabei sind, ihre Ausbildungen fertig zu machen. Wir wohnen an der Tonagass. Bis Ende Juli 2018 war ich als Case Manager bei einer Versicherung beschäftigt. Unabhängig von den Gemeindewahlen wollte ich mich beruflich neu orientieren. Nun ist für mich wohl das spannendste «Jobangebot» gekommen, wenn ich bei den Wahlen im Frühling Erfolg habe. 

 

Was hat Sie dazu bewogen, bei der VU in die Politik einzusteigen? 

 

Mein Vater war bereits in den 60er-Jahren Vorsteher und die Politik interessierte mich immer schon. In den 80er-Jahren wurde ich bereits zum Gemeinderevisor gewählt- die Gemeinderevisoren waren ja die Vorläufer der Geschäftsprüfungskommissionen. 1995 war ich schon einmal vier Jahre Gemeinderat und 1997 wurde ich als Stellvertreter in den Landtag gewählt. Dabei durfte ich als Delegationsleiter das Land an der Parlamentarischen Versammlung beim Europarat in Strassburg vertreten. Für mich verkörpert die VU nach wie vor meine politischen Grundwerte am besten: Eine wirtschaftsliberale Haltung wird hier mit dem Schwerpunkt für gesellschaftlichen Zusammenhalt gepaart. Gerade der Zusammenhalt ist in den letzten Jahren eher zugunsten einer rigiden Finanzpolitik immer mehr in den Hintergrund getreten: Deshalb möchte ich mich vor allem auch dafür einsetzen, dass der Zusammenhalt wieder verbessert wird und dass wir auf Gemeindeebene gemeinsam Akzente setzen. 

 

Sie haben als Gemeinderat die vergangenen vier Jahre erlebt. Wie läuft es im Gemeinderat in Eschen? 

 

Der Gemeinderat in Eschen ist parteiübergreifend konstruktiv unterwegs. Die Fraktionsdisplizin und - zugehörigkeit spielt bei uns kaum eine Rolle. Da diskutieren alle sachlich und es wird objektiv nach den besten Lösungen gesucht.
Im Gemeinderat läuft es gut und das liegt meiner Meinung nach nicht zuletzt auch an einer guten Führung durch Günther Kranz. Die Verwaltung unterstützt den Gemeinderat bei ihrer Arbeit sehr gut. 

 

Folgt man der veröffentlichten Meinung, hängt aber gerade in Ihrer Gemeinde der Haussegen schief. Sei es in der Diskussion rund um den Eschner Dorfplatz oder auch im Zusammenhang mit der Nutzungsplanung oder der Kernentwicklung Nendeln: Die Kritiker melden sich lautstark via Medien zu Wort. Wie würden Sie die Stimmung in der Gemeinde aktuell beschreiben? 

 

Grundsätzlich ist ein negativer Tenor unüberhörbar. Allerdings ist es zum Teil auch dem Zeitgeist geschuldet, dass negative Neuigkeiten sich besser verbreiten als positive. Ich teile die negativen Ansichten nicht, vielmehr glaube ich, dass Eschen als Hauptort vom Unterland viele Vorteile bietet. Von den Sportstätten, Ausbildungs- und Arbeitsplätzen, Schulen sowie Einkaufsmöglichkeiten etc. Es wird nichts über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden. Wir müssen Unzufriedenheiten sehr ernst nehmen. Die Kritikpunkte sind uns bewusst. 

 

Wie lässt sich die Stimmung verbessern? 

 

Wir müssen in der Kommunikation andere Wege beschreiten: Wir veröffentlichen zwar die Informationen möglichst transparent und auf verschiedenen Kanälen, aber sie kommen scheinbar nicht immer richtig bei den Einwohnern an. Wir müssen da aus Fehlern lernen. Ich möchte in jedem Fall die Menschen besser erreichen und auch kommunikativ moderner auftreten. Ein Service wie «WhatsApp-Gemeindenews», wie sie beispielsweise Christoph Beck in Triesenberg lanciert hat, ist vielleicht näher bei der Bevölkerung als der Gemeindekanal. Mir ist es wichtig, das Vertrauen zwischen Bevölkerung und Verwaltung zu verbessern. Denn am Ende geht es um die Bevölkerung. Sie muss wieder daran glauben können, dass die Verwaltung für sie im Einsatz ist. 

 

Was sind neben der Kommunikation aktuell die grössten Herausforderungen Ihrer Gemeinde? 

 

Günther Kranz hat viele Projekte mit uns im Gemeinderat aufgegleist. Diese Früchte kann er nun leider nicht mehr ernten. So wird das «Kreuz+» sicher eine tolle Sache: Hier können wir das Zentrum beleben und die Menschen vermehrt wieder zusammenbringen. Auch das leistbare Wohnen ist eines meiner Lieblingsprojekte: Gemeinsam mit der Wohnbaugenossenschaft wollen wir hier leistbare Wohn-Angebote schaffen. Das Projekt St. Martins-Platz - mit der Jugendarbeit im Zentrum - wird ebenfalls der Generationenverständigung dienen. Daneben dürfen wir Nendeln nicht vergessen: Die Kernentwicklung ist auf gutem Wege. Bald wird man Entscheidungen treffen müssen, was prioritär umgesetzt wird. Kurzum: Ich will, dass sich unsere Einwohner wohlfühlen und stolz auf ihre Heimatgemeinde sind. 

 

Wie werden Sie diese Herausforderungen angehen? 

 

Als Teamplayer stelle ich mir vor, dass wir mit dem gesamten Gemeinderat und den entsprechenden Kommissionen gemeinsam Mittel finden, wie wir den Menschen Eschen und Nendeln attraktiver zugänglich machen können. Da wird es keine Denkverbote geben. Die Verwaltung muss für die Menschen da sein und Lösungen finden, damit unsere Gemeinde in der Optik der Einwohner wieder besser aussieht. Auch mittelfristig müssen wir die Men- schen und Vereine in unsere Entscheidungen gut einbinden, um auf Akzeptanz zu stossen. Hier haben andere Gemeinden bereits vorgemacht, wie es gehen kann. Dafür müssen wir vermehrt wieder in die Quartiere gehen und die Menschen dort abholen, wo sie ihre Wünsche haben. Denn Wohlfühlen hat auch mit Sicherheit und Geborgenheit zu tun - und das erreicht man nur durch guten Zusammenhalt. 

 

Bei der Realisierung einiger Projekte stand der Gemeinde die Bürgergenossenschaft im Weg. Sie waren 2013 bis 2015 deren Vorsitzender. Eine Abschaffung der Bürgergenossenschaft würde helfen, finden Sie nicht? 

 

Sicher müssen wir die Rolle der Bürgergenossenschaft kritisch hinterfragen. Wenn am Ende von über 900 Mitgliedern 120 bei Versammlungen auftauchen und der Gemeinde ihre Konditionen diktieren, ist das sicher nicht sehr demokratisch. Auch hier denke ich, haben andere Gemeinden gezeigt, dass man Interessen der Bürger auch als Gemeinde gegenüber äusseren Einflüssen gut verteidigen kann, ohne zukunftsgerichtete politische Prozesse abwürgen zu müssen. Wir müssen uns sicher fragen, ob die Bürgergenossenschaft, wie sie heute funktioniert, noch zeitgemäss ist und ob man deren Interessen nicht effizienter und zielführender vertreten kann. 

 

Welche Ideen möchten Sie in Ihrer Amtszeit verwirklichen? 

 

Ich möchte erreichen, dass das Zentrum in Eschen wieder zum Leben erwacht. Die Grundlagen dafür sind gelegt und wichtige Projekte sind aufgegleist. Gemeinsam mit den Vereinen möchte ich den Zusammenhalt im Dorf stärken. Ausserdem möchte ich die generationenübergreifende Familienfreundlichkeit Eschens verbessern. Ein grosses Thema werden auch die Vereinsamungstendenzen im Alter werden. Diese Probleme will ich in Eschen angehen. 

 

Eines der leidigsten Themen ist für Eschen mit Sicherheit der Verkehr. Was können sie dort versprechen? 

 

Ich bin dankbar, dass damals unter der Führung von Marlies Amann-Marxer das Entwicklungskonzept Unterland und Schaan ins Leben gerufen wurde und jetzt unter der Regie von Regierungschef-Stellvertreter Daniel Risch unter Einbezug der Bevölkerung diskutiert wird. Die grossen Verkehrsprobleme können wir nur gemeindeübergreifend lösen. Als Gemeinde müssen wir dafür besorgt sein, dass mehr mit dem Rad und zu Fuss möglich wird. Hier können wir in der Mobilität viel voranbringen und die hausgemachten Probleme verringern. Was das Gros des Verkehrs angeht, müssen wir über künftige Raumplanung sprechen. Dass wir als attraktiver Industriestandort viele Pendler und dadurch auch viel Verkehr haben, ist logisch. Der Leidensdruck ist zwar vorhanden, aber noch sind nicht alle bereit, Abstriche für eine Optimierung in Kauf zu nehmen. Doch wir müssen und werden künftig mutige neue Wege gehen müssen, um auch in der Erreichbarkeit als Standort attraktiv zu bleiben. Davon bin ich überzeugt. Konkret muss auch die Option eines neuen Standortes in der Nähe des Autobahnanschlusses überprüft werden. 

 

Kann man also sagen, Sie wollen als Vorsteher für eine mutigere Politik stehen? 

 

Dafür werde ich mich jedenfalls einsetzen. In letzter Zeit findet man man meiner Ansicht nach zu schnell zu viele Begründungen, warum etwas nicht geht. Wir sollten uns aber künftig wieder vermehrt Gedanken machen, wie wir mehr möglich machen. Mehr den Mut haben, neue Dinge auszuprobieren. Dieser Mut wird sicher belohnt.



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Die Vaterländische Union (VU) ist eine Partei im Fürstentum Liechtenstein. Die Wurzeln der VU gehen auf die 1918 gegründete, christlich-sozial ausgerichtete Liechtensteiner Volkspartei zurück. Die VU war der Motor für grundlegende politische und soziale Reformen in Liechtenstein im frühen 20. Jahrhundert und verstand sich als Arbeiterpartei, die sich für mehr demokratische Volksrechte, soziale Sicherheit, Solidarität in der Gesellschaft und auch eine starke, differenzierte Wirtschaft einsetzte und sich immer noch für diese Werte einsetzt. Die Mitgliedschaft kann von jedem Einwohner/jeder Einwohnerin Liechtensteins, der/die das 16.Altersjahr erfüllt hat, durch Erklärung erworben werden.
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