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20.09.2018 12:26:57
30. Juni 2018

«Nichts ohne Bürde und Schweiss»


Seit vergangenen Mittwoch heisst der VU-Parteisitz offiziell «Wilhelm Beck Haus». Ehrenpräsident Oswald Kranz erinnerte in einer denkwürdigen Festrede an die nachhaltigen Werke des Gründervaters.

«Sie wissen ja, mein werter Landsmann, es ist die Redseligkeit ohne Tat ein Grundübel des liechtensteinischen Volkes, und wir wollen nun den Stil umkehren, als Männer der Tat und nicht der leeren Worte dastehen. Es ist des Schweisses wert, sich der Sache tüchtig anzunehmen, was Sie und die anderen Freunde gewiss tun werden», schrieb Dr. Wilhelm Beck an den Maurer Alois Frick aus Balzers. Es fasst die Stimmung der Volksparteiler rund um die Zeit des 1. Weltkriegs zusammen. Mit solchen Briefwechseln beginnt der VU-Ehrenpräsident Oswald Kranz in seiner Festrede anlässlich der Einweihung des Wilhelm Beck Hauses.

«Es muss anders kommen, wenn wir nicht ganz an die Wand gedrückt werden sollen. Entschuldige, wenn ich Dir viel Arbeit verursache. Nichts ohne Bürde und Schweiss! Tröste Dich, denn auch ich muss mich viel für unsere Sache hergeben», schrieb Beck anfangs des Gründerjahres an seinen Vertrauten Frick. Dies fasste die Entschlossenheit jener gut zusammen, welche sich um Dr. Wilhelm Beck versammelten, um das Land sozialer und liberaler auszugestalten.

Grosse Errungenschaften

«Dr. Wilhelm Beck hatte als erster in unserem Land erkannt, dass politische Parteien eine unabdingbare Voraussetzung und Notwendigkeit sind für eine funktionierende Demokratie und die politische Willensbildung eines Volkes», erklärt Kranz. «Wilhelm Beck erkämpfte den Zollanschluss zur Schweiz. Er löste die Währungsfrage, wie er auch entschlossen gegen die schwierige Lage der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kämpfte und viele Verbesserungen herbeiführte. Dr. Wilhelm Beck, Zeitgenosse bitterer Armut und Arbeitslosigkeit in unserem Land, blieb nicht verborgen, in welchem Elend ein Grossteil der Bevölkerung zu leben hatte», fasst Oswald Kranz die Bürgernähe des Wilhelm Beck zusammen. «Er plädierte für ein Armenrecht, für eine Arbeiterfürsorge, für den Schutz damals aus Armut verdingter Kinder. Seinem sozialen Engagement war auch die Schaffung eines Kranken-, Alters- und Invalidenfonds zu verdanken.» Nicht zuletzt prägte Dr. Wilhelm Beck auch das Pressewesen Liechtensteins. Mit der Gründung der «Oberrheinischen Nachrichten» im Jahr 1914 brach er das Monopol des «Volksblatt» und liess auch medial eine gesellschaftliche Debatte entstehen, die vorher nicht möglich war.

Politische Anfeindungen

Beckbewerkstelligte den Bau des Lawenawerks, forcierte auch die Erstellung des Binnenkanals zur Entwässerung der Talebene, sowie den Bau eines neuen Tunnels Gnalp-Steg zur besseren Erschliessung der liechtensteinischen Alpenwelt. Kranz beschrieb auch die Stimmung zu jener Zeit. Sie war aufgeladen und Dr. Wilhelm Beck stiess als Reformer nicht überall auf offene Ohren. Im Gegenteil. Es standen Privilegien auf dem Spiel, weshalb aus dem gegnerischen Lager keine sanften Töne zu hören waren. «Die persönlichen Anfeindungen der Bürgerpartei gegen Dr. Wilhelm Beck und seine politischen Weggefährten liessen vielfach ein Mindestmass an politischem Anstand und Respekt vermissen», fasst Kranz zusammen. «Die politischen Auseinandersetzungen zwischen den beiden konkurrierenden politischen Lagern, sollten in ihrer teilweise äusserst hart geführten Art denn auch noch Jahre nach dem Tod von Wilhelm Beck bis in die späten 194o-iger Jahre fortdauern.» Kranz führt mit einem Exkurs in die 40er-Jahre eindrücklich vor, wie wichtig der
vernüftige Zugang der VU, der Nachfolgerin der Volkspartei für die Geschichte Liechtensteins war. Wilhelm Beck wird als grosszügig, stets hilfsbereit, einfach, bescheiden, leutselig, offen, aufgeschlossen, mit einem köstlichen, geistreichen Humor beschrieben und er besass, wie wörtlich nachzulesen ist, «ein goldenes Herz!» «Mit der Beschriftung ‹Wilhelm Beck Haus› hier an der Fürst Franz Josef Strasse in Vaduz, vereinigen sich auch sinnbildlich das demokratische und das monarchische Element unseres Staatswesens zu einem festen, tragfähigen Fundament!», bemerkt Oswald Kranz.

Rheinbrücke zu Ehren Becks?

Neben einer Gedenktafel mit den wichtigsten Errungenschaften Becks an der Hausfassade machte Oswald Kranz beliebt, dass das Land Liechtenstein und die Gemeinden – vor allem Triesenberg und Vaduz –, Strassenzüge und öffentliche Plätze nach dem grossen Sohn Liechtensteins benennen sollten. Angesichts der grossen Verdienste um die Verbundenheit zur Schweiz wäre es ausserdem angebracht, eine Rheinbrücke nach ihm zu benennen. So könnte «beispielsweise die Rheinbrücke Schaan-Buchs, zur ‹Dr. Wilhelm Beck Brücke› benannt werden. Ich bitte unseren Wirtschaftsminister und Regierungschef-Stv. sich darum zu bemühen.»
Das kostbare Vermächtnis von Dr. Wilhelm Beck, sein politisches Talent und seine schöpferische politische Kraft, werde durch die Benennung dieses Hauses, in welchem die Parteizentrale der Vaterländischen Union beheimatet ist, verdeutlicht und nachhaltig sichtbar gemacht. «Mögen der politische Geist, die Ideen, die Ideale und die enorme Schaffenskraft von Dr. Wilhelm Beck, unsere Partei die Vaterländische Union immer wieder beflügeln, sie erneuern und in ihrem Engagement für unser Land durchdringen!», appelliert Kranz an die aktuellen und künftigen Mitstreiter der Vaterländischen Union. (mw)


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Die Vaterländische Union (VU) ist eine Partei im Fürstentum Liechtenstein. Die Wurzeln der VU gehen auf die 1918 gegründete, christlich-sozial ausgerichtete Liechtensteiner Volkspartei zurück. Die VU war der Motor für grundlegende politische und soziale Reformen in Liechtenstein im frühen 20. Jahrhundert und verstand sich als Arbeiterpartei, die sich für mehr demokratische Volksrechte, soziale Sicherheit, Solidarität in der Gesellschaft und auch eine starke, differenzierte Wirtschaft einsetzte und sich immer noch für diese Werte einsetzt. Die Mitgliedschaft kann von jedem Einwohner/jeder Einwohnerin Liechtensteins, der/die das 16.Altersjahr erfüllt hat, durch Erklärung erworben werden.
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