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18.10.2017 02:14:49
18. Oktober 2016

«Privatinitiative liegt uns im Blut»


Klartext

«Privatinitiative liegt uns im Blut»

Im Interview erklärt Wirtschaftsminister Thomas Zwiefelhofer, weshalb er das Unternehmertum in Liechtenstein fördern will und warum er mit «Mensch.Liechtenstein» auf Impulse, Ansichten und Vorschläge aus der Bevölkerung setzt.

Herr Wirtschaftsminister, Sie können sich glücklich schätzen: Wohl nirgendwo auf der Welt werden so viele Start-up-Initiativen gestartet wie hier. Was sagen Sie zur derzeitigen Gründungswelle, um Gründungen zu fördern?

Thomas Zwiefelhofer» Innovation ist derzeit das Modewort in den westlichen Industrieländern, es herrscht ein regelrechter Hype. Dass auch in Liechtenstein private Initiativen entstehen, welche Innovation und Start-ups fördern wollen, ist wirklich sehr erfreulich, aber eigentlich auch nicht überraschend. Privatinitiative und Unternehmertum liegen den Liechtensteinern im Blut. Um bei den vielen bereits laufenden Aktivitäten nicht den Überblick zu verlieren, hat das Wirtschaftsministerium vor rund einem Jahr die sogenannte «Innovationslandkarte» lanciert, auffindbar unter www.innovation-standort.li. Ausserdem fördert das Wirtschaftsministerium seit vielen Jahren verschiedene Begleitinstitutionen entlang des sogenannten «Innovationstrichters», vor allem den Ideenkanal, den Businessplan-Wettbewerb und den Liechtensteinischen Investitionsmarkt LIM. Auch das neue Projekt Technopark Liechtenstein begrüssen wir sehr und unterstützen die Gründer seit Beginn. Der Technopark wird eine tolle Sache!

Welches Projekt verspricht Ihrer Ansicht nach das grösste Potenzial?

Das ist schwierig einzuschätzen. Das Projekt der Technopark-Initianten kenne ich gut, nun kommt mit «HOI - Startups Liechtenstein» eine zweite, ebenfalls private Idee hinzu, was ich sehr begrüsse. Und dann gibt es noch das Projekt «Impuls Liechtenstein» des Ministeriums für Präsidiales und Finanzen, das ebenfalls im Bereich Innovations- und Startup-Förderung aktiv ist. Zu den Details der Initiative des Regierungschefs kann ich aber nichts sagen, da ich diese nicht genauer kenne. Scheinbar wird auch hier eine Organisation aufgebaut, welche Start-ups fördern will.

Der Regierungschef und Sie überbieten sich mit neuen Ideen, um gründungswillige Menschen ins Land zu holen. Dadurch entstehen Doppelspurigkeiten - wie beispielsweise bei den Risikokapitalfonds - , die den Steuerzahler nur Geld kosten, aber keinen Mehrwert haben. Weshalb arbeiten Sie nicht zusammen?

Wenn Steuergelder dafür aufgewendet werden, dass Rahmenbedingungen optimiert werden und dann daraus Mehrwert und Ertrag entsteht, dann sind Steuergelder gut eingesetzt. Es liegt aber bestimmt nicht im Interesse des Staates, dass Doppelspurigkeiten entstehen. Betreffend Risikokapitalfonds ist ja noch keine Doppelspurigkeit entstanden, die Idee ist in der Standortstrategie erst skizziert und als Massnahme vorgesehen. Sollte die Initiative des Regierungschefs hier nun vorpreschen, so wird sich das Wirtschaftsministerium hüten, im gleichen Bereich auch stärker aktiv zu werden, das wäre dann ja ein Witz. Zusammenarbeit bedingt gegenseitige Information, unddaswar bei diesem Thema leider nicht wirklich der Fall. Zumindest die Standortstrategie, in beiden Fassungen, wurde aber transparent und unter Einbezug der ganzen Regierung verabschiedet.

Worin unterscheiden sich denn Ihre Ansätze zu denen des Regierungschefs?

Ich denke, das habe ich bereits erläutert. Und wie gesagt kenne ich die Inhalte des Projekts des Regierungschefs leider nicht im Detail. Grundsätzlich begrüsse ich als Wirtschaftsminister aber jede Initiative, die mithilft, den Wirtschaftsstandort Liechtenstein weiterzuentwickeln.

Ein Teil der Standortstrategie ist auch «Mensch.Liechtenstein». Hier wurde Kritik laut, es handle sich beim Projekt um puren Wahlkampf. Was sagen Sie zu solchen Vorwürfen?

In den Zeiten kurz vor Wahlen wird vermutlich jedes Projekt eines Regierungsmitglieds dem Generalverdacht des Wahlkampfs unterstellt. Das gehört halt dazu und erstaunt mich wenig. Ich bin von der Wichtig- und Richtigkeit des Projekts «Mensch.Liechtenstein» überzeugt. «Mensch. Liechtenstein» ist im Übrigen nicht Teil der Standortstrategie 2.0, sondern baut darauf auf.

Worum geht es Ihnen bei «Mensch.Liechtenstein»?

Das Projekt will die wirtschafts- und damit auch gesellschaftspolitischen Anliegen der betroffenen Bevölkerung abholen. Ich will Querschnittsthemen, die sich aus Fragestellungen ergeben, die unter anderem die Standortstrategie aufgeworfen hat, mit Bürgerinnen und Bürgern diskutieren. Nach den Expertenmeinungen soll also auch eine breitere Diskussion über Wirtschaft und damit zusammenhängende Themen geführt werden, die näher an der Lebenswelt der Menschen ist.

Was aber bei verschiedenen Projekten der Regierung auffällt, ist, dass vor allem die Fassade stimmt. Wann verabschiedet sich die Regierung von grossspurigen Innovations-Shows und schönen Filmchen und wird konkret?

Die Standortstrategie 2.0 ist sehr konkret und basiert auf Expertenwissen und Gutachten der letzten 10 Jahre sowie auf der Ar- beit einer breit aufgestellten Arbeitsgruppe aus Verwaltungsund Wirtschaftsverbandsvertretern. Sie umfasst im Übrigen am Ende einen ganzen Katalog von konkreten Massnahmen, ähnlich wie die Energiestrategie 2020. «Mensch. Liechtenstein» dagegen will nicht weiteres Expertenwissen abholen, sondern die Ansichten und Ideen der breiten Bevölkerung einbinden. Was soll daran schlecht sein? Als Dokumentation des Projekts wurde das Medium Film gewählt, weil man dadurch heute die Menschen zunehmend besser erreicht, Stichwort YouTube usw. Die Filme sind sozusagen das Protokoll der Bürger-Workshops und die politische Einschätzung seitens des Projektinitiators. Sie sind als Impuls für die weitere politische Arbeit gedacht. Ob die «Innovations-Shows» des Regierungschefs als Fassade bezeichnet werden dürfen und ob sie grossspurig sind, das steht mir nicht an zu beurteilen. Und zu deren konkreten Inhalten kann ich wie bereits erwähnt nichts sagen.

Werden Sie - sollten Sie Regierungschef werden - das Projekt «Impuls Liechtenstein» weiterverfolgen? 
Schliesslich ist das Ministerium für Präsidiales und Finanzen Träger des Projekts.

Da ich die konkreten Inhalte von «Impuls Liechtenstein» nicht kenne, kann ich diese Frage noch nicht beantworten. Ich kann aber wiederholen, dass ich grundsätzlich jede Initiative befürworte, die unseren Wirtschaftsstandort vorwärts bringt. «So habe ich zum Beispiel die Energiestrategie 2020 meines Vorgängers weitergeführt und die Umsetzung vorangetrieben. Das hält der Regierungschef offensichtlich anders, wenn ich an die von seinem Vorgänger ausgearbeitete Agenda 2020 denke, die sang und klanglos von der Bildfläche verschwunden ist. Diese Verschwendung von Ressourcen kann ich nicht gutheissen. Mir jedenfalls ist es wichtig, gute Projekte weiterzuführen, egal aus welcher politischen Ecke sie kommen.


Interview: Stephan Agnolazza




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